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Nicht absehbare Entwicklung

02.07.08 15:20:00, von Tblue E-Mail   German (DE) latin1
Kategorien: News, Internet, Politik

Diese Entwicklung war nicht vorhersehbar und nie geplant.

Wird so oder so ähnlich die Entschuldigung der Politik(er) lauten, wenn irgendwann einmal zu weitgegriffene "Überwachungsgesetze" missbraucht werden? Wer weiß. Fakt ist nun aber einmal, dass es immer und überall Lücken gibt (z. B. korrupte Beamte oder Sicherheitslücken), so dass unsere wertvollen persönlichen Daten, die ja auch der deutsche Staat zunehmend sammelt bzw. sammeln will (Vorratsdatenspeicherung, biometrischer Reisepass/Personalausweis, Onlinedurchsuchungen etc.), von nicht befugten Personen ausgelesen und evtl. missbraucht werden können.

Das Schlimme ist, dass die meisten Menschen anscheinend kein Interesse an Datenschutz haben. Da werden in Schuldiskussionen schon mal Statements wie "Ich habe nichts zu verbergen, die Polizei kann ruhig meinen Computer durchsuchen!" und "Wer nichts schlimmes tut, dem wird nichts passieren." etc. abgegeben. Die betreffende Person hatte nicht allzu viele PC-Kenntnisse (soweit man aus anderen Kommentaren schließen konnte) und war aber trotzalledem über ohne ihre Erlaubnis bei YouTube veröffentlichte provate Videos besorgt. Das passt irgendwie nicht: Einerseits nicht zu verbergen haben, dann aber doch nicht allen Youtube-Besuchern erlauben wollen, private Videos zu sehen.

Diese Erlebnisse durfte ich während einer Diskussion im Berliner Abgeordnetenhaus mit dem Berliner Datenschutzbeauftragten sammeln. Alle anwesenden Schüler ausser mir waren bei SchülerVZ angemeldet, so gut wie alle haben auch ein Bild im Profil stehen. Einige sorgen sich allerdings etwas um ihre Privatsphäre, so wird nur selten der volle Nachname angegeben und auch meistens nur bekannte Personen als Freunde hinzugefügt. Der Datenschutzbeauftragte weiß übrigens technisch sehr gut Bescheid; keine Spur von Ahnungslosigkeit oder Ignoranz; dafür ein großes Lob. Diese negativen Charakterzüge scheinen nur bestimmte Politiker bzw. Abgeordnete zu haben (was für ein, ähm, Glück).

Nun gut. Festzuhalten bleibt, dass sich nur wenige Schüler und Erwachsene für Datenschutz interessieren; das ist sehr bedauerlich, hat doch jeder Mensch eine Privatsphäre, die es zu schützen gilt (auch wenn die "Ich habe nichts zu verbergen"-Sager etwas anderes behaupten). Der Staat greift zunehmend in diese Privatsphäre ein, trotz aller Warnungen und Proteste. Mittlerweile hoffe ich sogar, dass noch größere Unglücke als bisher geschehen, vielleicht versteht dann jemand endlich, worum es eigentlich geht und wie gefährlich Überwachung ist. Nebenbei, zentrale Datenspeicher sind auch keine gute Idee, sei es noch so bequem.

So, hoffen wir das beste (auch wenn der nächste Blogeintrag diese Hoffnung zunichte machen könnte).

Schlagworte: internet, news, politik
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